Väter im Büro I

Gepostet von Michael Korner am Mittwoch, März 27, 2013 Unter: Familie
Offenkundig ist ein grosser Teil meiner Bestimmung, Vater zu sein. Das hat sich durch unsere Kinder irgendwie so manifestiert. Was heisst das aber nun für mich, das Vatersein? Nun, es hat offensichtlich etwas mit Verfügbarkeit zu tun. Von alledem was ich im Leben tue, schätzen unsere Kinder nichts so sehr wie meine Präsenz und Verfügbarkeit. Da sein ist das Wichtigste. Zu trösten bei einem Wewehchen, den Vaterstolz zu spüren, wenn ein besonders lauter Furz gelingt, Fragen über das Leben zu besprechen und zusammen zu träumen. Gelegentliche Abwesenheiten meinerseits werden selbstverständlich geduldet.

Nun, was aber tue ich den ganzen Tag? Ich sitze im Büro und stelle sicher, dass unser Unternehmen erfolgreich Weiterbildungskurse an Bankmanager verkauft. Damit verdiene ich genug Geld für die Amortisation der Hypotheken, ein gutes Auto, biologische Nahrungsmittel, Versicherungen, regelmässige Restaurantbesuche, meine sonstigen Konsumsüchte und alles weitere Zeug. Darüber hinaus spare ich für meine zukünftigen Bedürfnisse und diejenigen meiner Kinder. Nichts davon interessiert meinen Sohn heute, nicht mal die guten Nahrungsmittel. Er möchte nur eins, dass ich regelmässig und häufig für ihn da bin. Warum ich den ganzen Tag in einem Büro sitze und E-Mails schreibe entzieht sich gänzlich seinem Vorstellungsvermögen. Es könnte nicht offensichtlicher sein, dass ich meine Prioritäten falsch setze! Es wirkt auf mich, als wären meine Kinder und ich nicht auf der gleichen Schiene. Als führte ich ein Parallelleben, zumindest zu grossen Teilen.

Es darf einen anderen Weg geben und ich möchte ab jetzt darauf vertrauen, dass es ihn gibt. Auf die Gefahr hin naiv zu wirken glaube ich, dass mein „Büro-fern-von-zu-hause-und-der-Welt-meiner-Kinder Arbeitspensum“ von 70% viel zu hoch war. Ein wenig davon ist ok, rund ein bis zwei Tag in der Woche finde ich angemessen. In der restlichen Zeit wird es möglich sein, dass meine Kinder an meinem „Berufsleben“ teilhaben können, dass ich an ihrem Leben teilhaben kann und wir damit letztlich gemeinsam durchs Leben gehen.

Ihr Lieben da draussen, für eure Tipps in dieser Sache bin ich euch unendlich dankbar.

Herzlicht, Michael

In: Familie 


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