Männer lächeln im Bus

Gepostet von Michael Korner am Sonntag, Januar 20, 2013 Unter: Inneres Wachstum

Es ist der 80-er Bus, zwischen Albisrieden und Bahnhof Altstetten. Dort wo ich einsteige gibt es jeweils noch rückwärtsgerichtete Sitzplätze. Man sitzt also den anderen Passagieren gegenüber und sieht ihre Gesichter. Vor allem am Morgen ist die Stimmung im Bus, sagen wir mal, bedrückt. Freiwillig scheint niemand hier zu sein. Spannung und Beengung liegen in der Luft. Das bringt einem ins Grübeln. Weshalb lächelt niemand? Was ist los hier? 

Als angehender spiritueller Mensch besuche ich ab und an ein entsprechendes Seminar, lese Bücher und meditiere, manchmal. Wie auch immer, ich fühlte mich herausgefordert, nicht zuletzt, weil im Grunde klar war, dass mir die Menschen im Bus meine eigene Stimmungslage zurückspiegelten. Man nennt das auch Projektion oder so. Bin da noch kein Experte. In Wirklichkeit war ich es also, der scheisse drauf war am Morgen. Eine harte aber ehrliche Erkenntnis. Lächeln war also angesagt. Das ist zunächst etwas peinlich, macht aber schon nach kurzer Zeit grossen Spass. Genau genommen beinhaltete mein neues Busprojekt nicht nur das Anlächeln, sondern auch das Einhüllen der Menschen mit rosa Licht. Das habe ich in einem Seminar gelernt. Mein Sohn Nik ist in diesem Punkt wesentlich begabter als ich. Er ist deshalb stets eine willkommene Unterstützung im Bus. Das rosa Licht gibt es logischerweise nur in meiner Vorstellung. Anfänglich tat ich mich schwer damit, allmählich gewann ich aber an Routine und mein Projekt begann Früchte zu tragen. Nicht nur, dass ich tatsächlich ab und zu Rücklächerler bekam, nein, irgendwie fühlte sich der morgendliche Trip beschwingter und freudvoller an. Je mehr Liebe ich gab, desto voller schien mein rosa Tank zu sein. Als würde das Geben ein Vakuum erzeugen, welches stetig neue positive Energie ansaugt.

Nun, erstens fahre ich mittlerweile eine andere Strecke (zu meiner Schande nehme ich auch öfters das Auto) und zweitens gibt es Tage, an denen die rosa Stimmung auch bei mir nicht so recht aufkommen mag. Ich halte dann Ausschau nach anderen Glücksversprüherinnen und –versprüher. Wo seid ihr, liebende und glückliche Bus- oder Tramfahrer? Seid umarmt und lasst mich wissen, wie es euch geht.

Herzlicht, Michael

In: Inneres Wachstum 


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