Genügst du noch oder lebst du schon?

Gepostet von Michael Korner am Dienstag, September 10, 2013 Unter: Inneres Wachstum

Wir machen es uns gegenseitig recht. So recht, dass wir uns dabei selbst verlieren. Wir sind so unglaublich gut darin, uns einzufühlen und zu verstehen, was unser Gegenüber von uns braucht. Und es wird viel von uns verlangt, Tag für Tag. Wir erfüllen diese Erwartungen und tun das nicht ohne Hintergedanken. Wir erhoffen uns nichts weniger als Zuneigung, Wertschätzung oder Dankbarkeit als Lohn für unser Tun. Durch die Bestätigung aus unserem Umfeld erkennen wir, dass es uns gibt und mit uns alles ok ist. Ich gebe, um zu bekommen – also bin ich. In meinem Leben hat mich nichts unglücklicher gemacht, als dieses Verhaltensmuster.

Denn, wenn wir unsere Aufmerksamkeit fast gänzlich auf die Bedürfnisse anderer ausrichten, vernachlässigen wir unsere eigenen Bedürfnisse. Wir machen uns klein und vergessen wer wir sind und was wir wollen. Wir verlieren den Kontakt zu unserem Selbst. Wir spielen eine Rolle, geben vor etwas zu sein, was wir nicht sind. Da wir es alle so machen, begegnen wir uns letztlich nur noch als Schauspieler, die sich gegenseitig eine Fassade zeigen.
Ein paar Beispiele gefällig? Wer möchte nicht geliebt werden von seinem Partner. Fühlt sich doch Scheisse an, wenn man nicht geliebt wird. Die Krux liegt in der Absicht, mit der ich etwas tue. Liebe ich, um geliebt zu werden, brauche ich die Liebe des anderen, um mich gut zu fühlen. Ich mache mich abhängig von ihm und seinen Launen. Auch beliebt ist die Neigung, in einem Gespräch lieber nichts zu sagen, um nicht Gefahr zu laufen, jemanden zu verletzen oder eine Szene heraufzubeschwören. Wenn wir nicht sagen, was wir denken und fühlen, lügen wir nicht nur alle anderen an, wir bescheissen uns selbst. Da Selbstbetrug eine überaus menschliche Eigenschaft ist und uns zwischenzeitlich als nützlicher Schutz dient, brauchen wir in dieser Sache nicht zu hart zu uns zu sein. Aber hinschauen sollten wir.

Das eigentliche Problem am ständigen Schauspielern ist, dass wir dabei unsere wahren Gefühle unterdrücken. Wir legen den Deckel drüber und hoffen, dass sie von alleine verschwinden. Das tun sie aber nicht. Nein, sie nagen und rütteln weiter am Deckel. Muskelpanzer antrainieren, Fettschutzschicht anfressen, saufen, andere Drogen, Shopping, schöne Ferien machen oder fernsehen…, nichts hilft dabei, den Deckel zu verstärken. Im Gegenteil, je schwerer der Deckel, desto explosiver ist die Spannung. Äussern tut sie sich der Druck in allen möglichen Krankheiten, Verspannungen, Kopfschmerzen, Allergien, Ausschlägen und schlimmerem. Im glücklichen Fall entlädt sich der Druck früh genug. Oft passiert das heute in Form eines Burnouts. Ich kann davon ein Liedchen singen, auch von den Ausschlägen und Allergien ;-) So gesehen ist ein Burnout keine Krankheit sondern eine Befreiung. Dies ist in erster Linie dann der Fall, wenn die befreiten Schauspieler, ihre Herzen öffnen und wieder zu Originalen werden.

Die gute Nachricht ist, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. Wissenschaftlich gesehen, gibt es niemanden, der nicht ab und zu ins „recht machen“ verfällt. Wenn du nun glaubst, du seist „the one“, lass es mich wissen. Ich bin bespannt auf deine Geschichte. Die schlechte Nachricht ist: Der Schaden ist reversibel, wir können echter werden, als wir es heute sind. Vorausgesetzt wir gehen das Risiko ein, unsere Bedürfnisse zu äussern, Fehler zu machen, andere zu verletzen und uns dabei selbst zu finden. Mit grösserer Sicherheit machen wir auf dem Weg zurück zu unserem echten Ich schwierige Zeiten durch. Zumindest ist das meine Erfahrung. Wir werden voraussichtlich unseren Gefühlen begegnen. Und, was lange versteckt wurde, kann einem eine ordentliche Angst einflössen. Gefühle ausblenden und Fernseher einschalten liegt da schon irgendwie näher, nicht?
 
Wie siehst du das? Diskussion unter: https://www.facebook.com/glueckspartei/posts/221886841308648

In: Inneres Wachstum 


Tags: burnout  erwartungen erfüllen  selbstfindung  selbstverleugnung